Das Corona-Virus und die Feuerwehr Böblingen

Unser Land erlebt aktuell, wie uns ein Virus vor neue Herausforderungen und Prüfungen stellt. Es ist nach wie vor schwierig abzuschätzen, wie sich die Lage entwickelt und wohin sie uns noch führen wird. Klar ist bislang nur, dass diese Dynamik bei uns allen ein Höchstmaß an Flexibilität fordern wird. Tobias Wankmüller, Pressesprecher der Feuerwehr Böblingen, führte dazu ein Interview mit Feuerwehrkommandant Thomas Frech.

Hallo Thomas, die Corona-Krise ist auch in Böblingen angekommen. Wie schätzt Du die Lage ein?

Hallo Tobias. Du hast in deinen einleitenden Worten ja bereits das meiste gesagt. Für uns alle ist das bislang eine vollkommen neue Situation. Wir befinden uns auf einem Weg, dessen Richtung und Länge wir alle nicht abschätzen können. Ich kann nur für die Stadt Böblingen sprechen: Hier arbeiten Kolleginnen und Kollegen aus der Stadtverwaltung mit, die alles dafür tun, um die Bürgerinnen und Bürger bestmöglich durch und aus der Krise zu führen. 

Die Stadt Böblingen hat einen Krisenstab eingerichtet, in dem permanent der Oberbürgermeister mit seinem Referat, die beiden Dezernenten und die Stabsmitarbeiter für die Bereiche Innerer Dienst, Dokumentation, Öffentlichkeitsarbeit, Ordnung, Bevölkerungsschutz und Gesundheit vertreten sind. Regelmäßig wird der Stab durch weitere Fachbereiche und den Verbindungsbeamten der Polizei erweitert.

Ist die Feuerwehr auch im Krisenstab der Stadt Böblingen vertreten?

Ja. Die Feuerwehr Böblingen ist zuständig sowohl für den kommunalen abwehrenden und vorbeugenden Brandschutz als auch für den Bevölkerungsschutz. Der Bevölkerungsschutz ist eine zusammenfassende Bezeichnung für alle Einrichtungen und Maßnahmen aus den Bereichen Katastrophenschutz und Zivilschutz. Der Katastrophenschutz umfasst den Schutz von Menschen, Sachgütern sowie der natürlichen Umwelt vor dem Eintritt und den Folgen einer Katastrophe. Der Zivilschutz umfasst im speziellen Sprachgebrauch Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung, von Betrieben und öffentlichen Einrichtungen im Verteidigungs- und Spannungsfall. Der Zivilschutz unterscheidet sich daher vom Katastrophenschutz, welcher bei allen sonstigen Situationen außerhalb des Verteidigungs- und Spannungsfalls einer besonderen einheitlichen Führung behördlicherseits bedarf, u.a. bei Großschadenslagen und auch wie aktuell bei Pandemien. Neben dem Schutz der Bevölkerung ist auch der Schutz von Kulturgütern in Krisenfällen relevant.

Die Feuerwehr sitzt mit einem Vertreter im Krisenstab der Stadt. Diese Funktion nehme in erster Linie ich als Kommandant ein, habe aber dafür auch zwei Stellvertreter.

Was genau ist die Aufgabe der Feuerwehr in einer solchen Situation?

Die Feuerwehr Böblingen hat immer, aber in Zeiten wie diesen erst recht, den Auftrag, durch geeignete und zielgerichtete Maßnahmen die Einsatzbereitschaft jederzeit aufrechtzuerhalten. Die Bürgerinnen und Bürger können sich auf uns verlassen, wenn Sie die Hilfe der Feuerwehr benötigen.

Hierfür tragen unsere 19 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die knapp 150 freiwilligen Feuerwehreute aus den Abteilungen Böblingen und Dagersheim ihren Teil dazu bei. An dieser Stelle bedanke ich mich bei allen sehr herzlich. Ich kann mich jederzeit auf sie verlassen.

Darüber hinaus sind die zuvor beschriebenen Aufgaben aus dem Bevölkerungsschutz zu organisieren. Das heißt, wir müssen planerisch eine Eskalation in der Krise vorausdenken, die dann notwendigen Maßnahmen ableiten und uns darauf vorbereiten.

Welche Auswirkungen hat die aktuelle Situation auf die Feuerwehr Böblingen?

Wir verfolgen die aktuellen Entwicklungen ganz genau, sind in enger Abstimmung mit dem Krisenstab, setzen Weisungen um und ergreifen für unsere Feuerwehr notwendige Maßnahmen. Nur durch präventive und vorausschauende Maßnahmen können wir Personalausfälle minimieren und frühzeitig Reserven bilden.

In diesem Zug haben wir bereits alle Übungsdienste der Feuerwehr bis auf weiteres ausgesetzt. Auch die Hauptversammlungen unserer beiden Abteilung und der Gesamtfeuerwehr wurden vorerst abgesagt. Im Normalfall treffen sich unserer Feuerwehrkameradinnen und -kameraden auch außerhalb der Dienstzeit gerne auf den Feuerwachen. Auch dies müssen wir auf unbestimmte Zeit leider unterbinden.

Die Bürgerinnen und Bürger aus Böblingen und Dagersheim müssen sich bezüglich der Einsatzfähigkeit der Feuerwehr Böblingen nicht sorgen. Vertrauen Sie uns – wir sind immer für Sie da!

Wie stellt die Feuerwehr die Einsatzbereitschaft sicher?

Mit den bisher getroffenen Maßnahmen möchten wir eine Verschleppung innerhalb unserer Feuerwehr möglichst vermeiden. Darunter verstehen wir auch die weitest gehende Trennung zwischen Haupt- und Ehrenamt. Aber auch die Trennung der beiden freiwilligen Abteilungen.

Inzwischen haben wir verschiedene Schichtmodelle auf der Feuerwache im Röhrer Weg eingerichtet. Diese werden derzeit durch die Hauptamtlichen Kräfte durchgeführt, ergänzt durch vier weitere Funktionen durch freiwillige Kräfte. Diese Besetzung übernimmt erst einmal alle Einsätze, sodass so wenig wie möglich Personal an der Einsatzstelle zusammenkommt.

Bei Paralleleinsätzen oder für eine Unterstützung der bereits eingesetzten Kräfte haben wir hier die Einsatzbereitschaft in Böblingen und Dagersheim angesetzt. Im Einsatzfall kommen immer die gleichen Einsatzkräfte zusammen, sodass das Risiko auf eine kleine Gruppe minimiert werden kann. Eine lückenlose Dokumentation der eingesetzten Kräfte sorgt auch im Falle von der Erkrankung von Kameraden für minimale Ausfälle, da die Kontaktpersonen erfasst sind.

An der Einsatzstelle sind die Einsatzkräfte angehalten umsichtig vorzugehen, Abstand zu halten und im Zweifelsfalle erweiterte Schutzausrüstung anzulegen.

Wie man sieht, haben wir alles uns Mögliche getan, um die Feuerwehr immer einsatzbereit zu halten und eine Verschleppung innerhalb unserer Feuerwehr zu vermeiden.

Deshalb bitten wir die Bevölkerung, ebenso umsichtig zu handeln, sich keiner Gefahr auszusetzen und die Anweisungen der Behörden zu befolgen.

Das Gespräch führte Pressesprecher Tobias Wankmüller.


 


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