Sieben auf einem Streich

vom 07 September 2015

Innovative Ausbildung für Brandbekämpfer des Landkreises Böblingen in schwindelerregender Höhe.

Sie sind der Publikumsmagnet eines jeden Feuerwehrfestes und der ganze Stolz einer jeden Feuerwehr. Sie sind ein unverzichtbares Hilfsmittel bei Wohnungsbränden zur Rettung von Menschen aus den oberen Stockwerken und leisten auch bei der Brandbekämpfung von oben sowie bei technischen Hilfeleistungen wertvolle Dienste. Die Rede ist von Drehleitern. Der sichere Umgang mit diesen High-Tech-Geräten war Inhalt der praxisbezogenen Ausbildung für angehende Feuerwehrleute aus Aidlingen, Böblingen, Magstadt, Sindelfingen und Waldenbuch beim Drehleitertag im Landkreis Böblingen auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Böblingen.

"Retten. Löschen. Bergen. Schützen." - deutschlandweit helfen täglich zahlreiche Feuerwehrleute, Gefahren abzuwehren und Menschen zu retten. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist eine qualifizierte Ausbildung der angehenden Feuerwehrleute, die sich im Landkreis Böblingen fast ausschließlich ehrenamtlich engagieren. Nur ein umfassend ausgebildeter und geübter Helfer kann schnell, gezielt und sicher Gefahren erkennen, beseitigen und die ihm gestellten Aufgaben erfüllen.

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Einen ganzen Samstag Ausbildung der besonderen Art konnten deshalb 37 ehrenamtliche Feuerwehr-"Azubis" aus Aidlingen, Böblingen, Magstadt, Sindelfingen und Waldenbuch am 05. September 2015 auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Böblingen genießen. Gleich sieben der sogenannten Hubrettungsgeräte, wie es im Fachjargon heißt, standen den ganzen Tag über für Ausbildungszwecke bereit. Neben den Drehleitern aus Aidlingen, Böblingen, Magstadt, Sindelfingen, Waldenbuch sowie der US Army Stuttgart war auch der Teleskopmast der Sindelfinger Werkfeuerwehr Daimler AG mit von der Partie.

Am Drehleitertag wurde den angehenden Feuerwehrleuten alle Grundlagen vermittelt, die sie im Einsatz beherrschen müssen. Sie lernten beispielsweise die Bedienung über die Steuereinheit im Korb, lernten die in der Drehleiter mitgeführten Geräte kennen und übten den Umgang mit diesen. Nachmittags schließlich standen praxisnahe Geschicklichkeitsübungen auf dem Programm. Beispielsweise musste der Drehleiterkorb möglichst schnell und dennoch genau an einer Balkonbrüstung angeleitert werden. 

Der Drehleitertag kam bei allen Teilnehmern sehr gut an. "Ein Highlight war der TM42 der Daimler Werkfeuerwehr. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, mit einem Telemasten auf 42 Metern Höhe das Panorama von Böblingen betrachten zu können?", sagt beispielsweise Sandra Bialucha. Die Mittdreißigerin, die seit einem Dreivierteljahr bei der Feuerwehr Böblingen ist, ergänzt: "Es ist einsame Spitze. Wir haben heute sehr anschaulich die Technik der Drehleitern kennengelernt und alle Geräte, die im Einsatzfall notwendig sind, sehr praxisnah eingesetzt."

Auch Andreas Kopp, der für die Ausbildung der Feuerwehrangehörigen im Landkreis Böblingen verantwortlich ist, war mit dem Drehleitertag voll und ganz zufrieden. "Die jungen Leute haben immer weniger Zeit, sich auf den Dienst vorzubereiten. Gleichzeitig werden die Aufgaben einer Feuerwehr immer vielfältiger und die Geräte der Wehren immer komplizierter. Deshalb müssen wir uns immer neue Wege einfallen lassen, wie man die Lerninhalte gut und praxisnah vermitteln kann."

Und das scheint Andreas Kopp und seinen für die Ausbildung zuständigen Mitstreitern sehr gut gelungen zu sein. Denn alle Teilnehmer waren mit großem Eifer dabei und haben viel Ehrgeiz entwickelt, um die durchweg praxisnahen Geschicklichkeitsübungen möglichst mit Bravour zu bewältigen. Selbst gestandene Feuerwehrangehörige mit vielen Jahrzehnten Einsatzdienst auf dem Buckel besuchten gern als Gäste den Drehleitertag. Konnte man hier doch auf engstem Raum viele verschiedene Drehleiter-Typen und Drehleiter-Generationen sehen und die Grenzbereiche dieser Hubrettungsfahrzeuge ausprobieren.

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"Da immer häufiger interkommunal zusammengearbeitet wird, macht es durchaus Sinn, sich auch auf dem Fahrzeug der Nachbarwehr auszukennen.", sagt Henning Roller, Gruppenführer und Ausbilder der Magstadter Wehr. Er lobt gleichzeitig das Team-Building, also das Zusammenwachsen der jungen Einsatzkräfte durch die seit 2014 neu gegründeten Ausbildungsbezirke wie zum Beispiel Böblingen/ Sindelfingen/ Magstadt. "Hier sind zwischen den Feuerwehrangehörigen der einzelnen Wehren enge Freundschaften gewachsen, das Kirchturm-Denken früherer Zeiten ist längst passee." Und das ist auch gut so. Denn in Zeiten des demografischen und gesellschaftlichen Wandels, bei denen gerade tagsüber immer weniger Feuerwehrangehörige am Wohnort berufstätig sind und die Wehren bundesweit über mangelnde Nachwuchskräfte klagen, ist eine Zusammenarbeit der verschiedenen Feuerwehren und Hilfsorganisationen zunehmend unverzichtbar. Dieser Grundgedanke hat auch zu der Bildung von Ausbildungsbezirken im Landkreis Böblingen geführt.

 



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