Die gemeinsame Zeit mit Sindelfingen bis 1874

Für die Steigerkompagnien der gemeinsamen Feuerwehr Böblingen und Sindelfingen, welche vorwiegend aus Angehörigen technischer Gewerbe bestehen sollten, war das Prinzip der Freiwilligkeit vorgesehen. Nach einem Aufruf meldeten sich rasch genügend Bürger auf dem Rathaus, die dann auch bald eingeteilt wurden. Zur gleichen Zeit wurden die übrigen Mannschaften neu zusammengestellt. Als Kommandant wurde Oberamtsbaumeister Schrenk und als Kassier Oberamtspfleger Hartranft bestellt. Die Folge dieser Neuorganisation war auch, dass die Feuerlöschgeräte ergänzt wurden.

Uniformiert waren damals nur die Steiger. Nach einem Inventarbericht gab es folgende Gerätschaften:

Eine große Feuerspritze mit einen 80 Pfund schweren kupfernen Kasten.
Eine weitere Fahrspritze
Zwei Tragspritzen
Eine Handspritze
Einen zweispännigen Wagen zum Führen der
Buttenmannschaft
18 Feuerbutten
240 Feuereimer
Fünf Feuerhacken
Vier Feuerleitern
Fünf Wasserschapfen
21 große Säcke zur Flüchtung von Habseligkeiten.

Die ersten Übungen der hiesigen Steigerkompagnie beschränkten sich aber nicht nur auf Feuerwehrübungen, sondern umfassten auch turnerische und Exerzierübungen. Sie wurden zum Vizekommandant gewählten Kassier Schurr der Zuckerfabrik geleitet. Es wurde fast jeden Sonntag geübt. Die gemeinsamen Übungen fanden wechselweise in Böblingen und Sindelfingen statt. In der Festschrift zum 50 jährigen Jubiläum ist auch folgendes interessante Zitat zu lesen:

„Von den Gründern der Steigerkompagnie leben noch hier und dürfen das 50 jährige Jubiläum als Veteranen der Feuerwehr mitmachen: Christian Balz, Bäcker, Wilhelm Dinkelaker Sr., Fr. Bierbrauereibesitzer und Gottlob Hirner, Schreiner. Möge diesen altehrwürdigen Zeugen der einstigen Gründung der Wehr zum Bewusstsein kommen, dass das Jubiläumsfest, welches sie in Freude miterleben mögen, auch ein Tribut der Dankbarkeit der jetzigen Generation an sie – die alten Recken – darstellt.“

Die Verwaltung der gemeinsamen Feuerwehr wurde einen Verwaltungsrat übertragen. Dieser bestand aus den beiden Ortsvorstehern, den beiden Stadtpflegern, dem Kommandanten, dem Kassier und den Obersteigern der Feuerwehr, sowie je 1 gewähltes Mitglied des Gemeinderats Böblingen und Sindelfingen und je 2 gewählten Mitgliedern der Feuerwehrabteilungen Böblingen und Sindelfingen. Die Fahnenweihe für die gemeinsame Feuerwehr fand am 17. Juni 1860 auf der Waldburg statt. Die Kosten dafür wurden von der Stadtkasse übernommen.

Fahnenweihe

Die gemeinsame Feuerlöschordnung wurde jeweils am 20. Dezember 1859 und 17. März 1860 von den bürgerlichen Kollegien der beiden Städte festgestellt. Sie erhielt mit einigen Abänderungen am 23. August 1860 die Genehmigung der Königlichen Kreisregierung. Nach der vollzogenen Gründung bestand die gemeinsame Feuerwehr aus folgender Mannschaft:

I: Stab mit dem Kommandanten, 2 Adjutanten, 1 Kassier, 2 Ärzte, 4 Hornisten, wobei der Kommandant, 1 Adjutant, der Kassier, 1 Arzt und 2 Hornisten ihren Sitz in Böblingen, die Übrigen in Sindelfingen hatten.

II: Den Steigern. 30 Mann in jeder Gemeinde, in 2 Unterabteilungen mit 1 Obersteiger und 4 Halbzügen mit je 1 Obmann.

III: Der Spritzenbedienungs- und Buttenmannschaft. Und zwar für jede Spritze 1 Obmann, 2 Spritzenmeister, 1 Schlauchmeister, 2 Schlauchführer, 2 Einreißer, 12 Buttenmänner, 4 Schöpfer und 24 Pumper.

IV: Der Flüchtungs- und Arbeitsmannschaft. 40 Mann in jeder Gemeinde mit 2 Obmännern, welchen je 2 Steiger zugeteilt sind.

V: Die Sicherheitswache. 15 Mann in jeder Gemeinde mit je 1 Obmann.

Am 29. März 1862 wurde eine Kasse für verunglückte Feuerwehrleute gegründet. Jeder Feuerwehrmann sowie auch die passiven Ehrenmitglieder der Feuerwehr, musste 6 Kreuzer im Monat in diese Kasse einzahlen. Auch die Strafen für unentschuldigtes Fehlen bei den Feuerwehrübungen (12 Kreuzer) flossen in diese Kasse. Mit einem Aufwand von 1.650 Gulden wurde 1863 ein Hydrophor angeschafft. Dieses wurde auf Grund einer Prüfung für Feuerlöschgeräte auf der Landesausstellung in Stuttgart im September 1863 übernommen. Bei dieser Abnahme war eine Delegation des Gemeinderats anwesend. Im Jahr 1866 wird die Mannschaftsstärke der Steigerkompanie auf 55 erhöht. Nach einem Gemeinderatsbeschluss vom 6. Juli 1872 wurde eine so genannte Kurz’sche Spritze angeschafft. Am gleichen Tag wurde auch die Anschaffung von Helmen für die Spritzenmannschaft beschlossen. Es wurden aber vorerst nur die Obmänner und die Spritzenmeister mit Helmen ausgestattet. Die Bedienungsmannschaft der „Turnerspritze“ bekam in 1875 Helme.

Am 11. November 1874 verstarb der verdiente und verehrte erste Kommandant, Oberamtsbaumeister Schrenk. Er wurde am 13. November 1874 unter Beteiligung der Feuerwehr bestattet. An seine Stelle wurde, der seit der Gründung der Feuerwehr als Obersteiger fungierende, Andreas Brezing, Schlossermeister, vom Königlichen Oberamt zum Kommandanten bestellt.

Nachdem sich in den letzten Jahren die Mannschaftsstärke erhöht und sich auch die Ausrüstung und Ausbildung weiter verbessert hatte, führte die bevorstehende Kommandantenwahl zu einer weitreichenden Entscheidung. Der Verwaltungsrat war der Auffassung, dass die gemeinsamen Übungen wegen der nicht unbedeutenden Entfernung der Städte Böblingen und Sindelfingen mit großen Zeitverlusten und Unannehmlichkeiten für die beiden Feuerwehrabteilungen verbunden war. Aus diesem Grund sah er sich veranlasst, auf eine Trennung der beiden Feuerwehren hinzuwirken. Am 3. November 1874 wurde beschlossen, die Feuerwehren Böblingen und Sindelfingen je als selbständiges Korps zu erklären und damit die Trennung vollzogen. Diese Trennung wurde sowohl von den beiderseitigen Gemeindevertretungen als auch dem Königlichen Oberamt bestätigt.

Damit endete die 15-jährige gemeinsame Feuerwehrgeschichte in Böblingen und Sindelfingen.



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