Die Selbstständigkeit ab 1874

Am 15. Dezember 1874 wurde der bisherige provisorische Kommandant der gemeinsamen Feuerwehr Andreas Brezing zum neuen Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Böblingen gewählt. Als notwendige Folge der Trennung der beiden Wehren wurde am 18. September 1875 auf dem Rathaus eine Neuorganisation der Böblinger Löschmannschaft vorgenommen. Hierbei wurde die Steigerkompanie auf 80 Mann erhöht.

Für die Turnerabteilung (Turnerspritze) wurde ein besonderer Zug von 20 Mann mit einem Obmann gebildet. Die Mannschaften der Turnerspritze wurden mit schwarzem Helm und Gurt ausgerüstet. Die Jacken hatten sie aber selbst zu stellen. Die Übungen fanden gemeinsam mit denjenigen der Steigerkompanie statt. Gleichzeitig wurde beschlossen eine Feuerwehrmusikgruppe einzurichten. Stadtmusikus Justus Friedrich Kilpper erklärte sich bereit, diese Gruppe zu leiten. Sie hatte noch im gleichen Jahr bei einer Fahnenweihe in Ehningen ihren ersten Auftritt. Auch im Bereich der vorhandenen Ausrüstung waren Anpassungen notwendig. Am 5. November 1875 wurde die Anschaffung einer Abprotzspritze ohne Saugeinrichtung beschlossen.

hydrophorIn 1877 wurden zwei alte unbrauchbare Spritzen ausgemustert und an ihrer Stelle zwei Neue angeschafft. Am 25. August 1877 wurde im Gemeinderat die Erbauung eines Steigerturms angeregt. Bereits in 1878 wurde dieses Vorhaben mit einem Aufwand von 7.450 Mark realisiert. Am 23. Februar 1878 wird vom Gemeinderat ein Vertrag mit Spritzenfabrikant Kurz aus Stuttgart auf Lieferung einer neuen Patentsaugfeuerspritze zum Preis von 2.375 Mark abgeschlossen. Am 9. Oktober 1882 verstirbt Kommandant Brezing. An seine Stelle wird Kaufmann Louis Kissel zum neuen Kommandanten gewählt. Am 20. Juli 1884 feiert die Feuerwehr ihr 25-jähriges Bestehen. An diesem Fest beteiligen sich 41 fremde Feuerwehren mit über 1.200 Feuerwehrmännern.

Infolge der am 1. Juli 1885 in Kraft getretenen neuen Landesfeuerwehrlöschordnung fand 1887 eine Neueinteilung der Feuerwehr statt. Auf Drängen des Königlichen Oberamts wurde 1888 ein Sprungtuch angeschafft. 1891 wurde die Feuerwehr vollends uniformiert. Am 25.Juli 1893 fad eine gemeinsame Übung sämtlicher Feuerwehren des Oberamtsbezirks statt. Übungsobjekt war das Rathaus in Dagersheim. Ein wichtiger neuer Abschnitt beginnt für die hiesige Feuerwehr mit der Fertigstellung der Wasserleitung im Jahr 1895.

Vor allem wurde die Feuerwehr, die bisher nur im Bereich der Steigerkompagnie auf Freiwilligkeit basierte, jetzt vollständig in eine Freiwillige Feuerwehr umgewandelt. Dies brachte eine spürbare Reduzierung der Mannschaftsstärke mit sich. Die Feuerwehr wurde jetzt in 3 Kompanien eingeteilt, die insgesamt 190 Mann zählten.

 

Friedrich EnsleMit Schreiben vom 2. Juni 1896 erklärte der energische und tatkräftige Kommandant Louis Kissel seinen Rücktritt vom Kommando. An seine Stelle wurde am 21. Juni 1896 Friedrich Enssle, Kaminfegermeister, zum Kommandanten gewählt. Am 3. Oktober 1900 wurde vom Gemeinderat der Firma Magirus in Ulm der Auftrag zur Lieferung einer mechanischen Leiter zum Preis von 1.300 Mark erteilt.

Bisher wurde bei Übungen die Leiter des hiesigen Elektrizitätswerkes benutzt. Im August 1901 plante die Freiwillige Feuerwehr eine Kollekte im Stadtgebiet, um die Anschaffung einer neuen Fahne zu finanzieren. Dies wurde vom Gemeinderat abgelehnt. Es wurde aber die Zusicherung gegeben, dass im Rahmen des 50- jährigen Jubiläums, eine neue Fahne auf Kosten der Stadt beschafft werden sollte. Der bei seiner Mannschaft beliebte Kommandant Enssle erklärte im September 1904 seinen Rücktritt. An seine Stelle wurde am 9. Oktober 1904 Gottlob Decker, Ökonom, zum Kommandanten gewählt.

 

Brand Steigerturm

Der 27. August ist ein schwerer Schicksalstag für die Böblinger Feuerwehr.

Es brannte die reich mit Futtervorräten gefüllte Farrenscheuer, an welche das Spritzenmagazin angebaut war. Das lebende Inventar konnte gerettet werden, das tote verbrannte zum großen Teil. Das Feuer griff dermaßen schnell um sich, so dass in weniger als zwei Stunden sowohl die Farrenscheuer als auch das Spritzenmagazin eingeäschert war. Die Feuerwehr musste sich hauptsächlich auf das Schützen der umliegenden Gebäude beschränken.

Auf dem Platz der abgebrannten Farrenscheuer und des Spritzenmagazins wurde mit einem Aufwand von 20.000 Mark ein neues Spritzenmagazin mit Steigerturm gebaut. Der Farrenstall wurde in die Herrschaftsgartenstraße verlegt.

 

Steigerturm1913Eingeweiht wurde das neue Gebäude gemeinsam mit den Feierlichkeiten für das 50-jährige Jubiläum der Feuerwehr. Das Fest fand in der Zeit vom 25.-27. Juli 1908 statt. Es war von herrlichstem Wetter begünstigt. Morgens fand die Einweihung des neuen Steigerturmes und des Gerätehauses mit Schlüsselübergabe statt.

Um 13:30 Uhr stellte sich der Festzug auf, an welchem sich sämtliche Böblinger Vereine und 69 auswärtige Feuerwehren mit rund 2.700 Feuerwehrmännern beteiligten. Ein langer Zug uniformierter Männer bewegte sich mit Fahnen und begleitet von Musikkapellen durch die Straßen unserer festlich geschmückten Stadt zum schattigen Maienplatz, der mit seinen Kastanienbäumen und Linden für damalige Verhältnisse ein idealer Festplatz war.

Dieses Feuerwehrfest blieb den Böblinger Einwohnern als ereignisreiches Erlebnis für lange Jahre in guter Erinnerung.

 

Festordnung



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