Neujahrsempfang auf der Feuerwache Böblingen

vom 06 Januar 2008

Bei Neujahrsempfang in Feuerwache auf Jubiläum der Floriansjünger eingestimmt – Appell zum Handeln

Böblingen – Böblingens Stadtoberhaupt bezieht klar Position: Beim gestrigen Neujahrsempfang in der Feuerwache sprach er sich für einen Kreisverkehr am Listplatz, die Umgestaltung der Brumme-Allee und eine durchgehende Fußgängerzone in der Bahnhofstraße aus.

Im ungewohnten Ambiente der Fahrzeughalle am Röhrer Weg stimmte Alexander Vogelgsang die rund 300 Besucherinnen und Besucher auf das Jubiläumsjahr der Feuerwehr ein, die ihr 150-jähriges Bestehen feiert. Zugleich appellierte er an die Bürgerinnen und Bürger, dass „die Zeit reif ist für einige wichtige Beschlüsse und einige markante Bauvorhaben, um unsere Innenstadt aufzuwerten“. „Lassen Sie uns handeln. Jetzt!“, so sein Appell am Ende seiner Rede. Entscheiden müsse der Gemeinderat über den Kreisverkehr am Listplatz, die Umgestaltung der Wolfgang-Brumme-Allee und die Zukunft der Bahnhofstraße. Mit dem neuen Generalverkehrsplan und der weiterentwickelten Einzelhandelskonzeption lägen mit der Strukturoffensive Böblingen Mitte alle notwendigen Daten vor.

Sich selbst positionierte das Stadtoberhaupt dabei klar. Er sei für einen Kreisverkehr am Listplatz, für eine maßvolle freundliche Umgestaltung der Brumme-Allee, auch wenn diese nie eine Allee zum Bummeln werde. Und: „Ich bin für eine durchgehende Fußgängerzone vom Elbenplatz bis zum Bahnhof, die dann weiterführt am neuen ZOB vorbei, der dieses Jahr fertig wird, durch die zwölf Meter breite Unterführung ins Flugfeld hinein bis an den Langen See.“ Wenn dieses so beschlossen werde, dann sei in diesem Jahr der Baubeginn beim Kreisverkehr, „alles andere später“. Begonnen werden soll aber auch der Bau des Treffs am See. Mit diesem zentralen Bürgerhaus werde „eine weitere Bürgeridee aus dem Leitbild Böblingen 2020 realisiert“. Bereits heute werde das Angebot im bisherigen Seniorentreff von Arbeitsgruppen erarbeitet. „Machen Sie mit im Programm Mehrgenerationenhaus“, forderte Vogelgsang zu Engagement auf. Dieses bürgerschaftliche Engagement nahm breiten Raum in der Rede ein. Die Gründung von Freiwilligen Feuerwehren sei „eine der frühesten demokratischen Bürgerinitiativen in den Kommunen“ gewesen, interpretierte er die Historie des Geburtstagskindes. Dieses Engagement habe noch heute Vorbildcharakter: „Müsste man die ganze Feuerwehr hauptamtlich organisieren und die Leistungen der anderen Vereine hauptamtlich erbringen, würde dies die Gemeinschaft teuer zu stehen kommen.“ Viele Vereine leisteten in „bester und breitester Weise Jugendsozialarbeit“. Ohne diese Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit gäbe es noch mehr Gewaltexzesse wie jüngst in München. Die Stadt sieht der Oberbürgermeister zwar auf einer konjunkturellen Welle schwimmend. Er erinnerte aber an die harten Auseinandersetzungen der Spardiskussionen. Und machte deutlich, dass sich die immensen Anstrengungen zur Schaffung von über 300 Plätzen zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren bis zum Jahr 2013 auch in einem konjunkturellen Wellental finanzieren lassen müssen. Deshalb sei der Konsolidierungskurs fortzusetzen – trotz guter Haushaltslage. Alleine im Haushalt 2008 sei dafür schon eine Million Euro zu finanzieren. Neben einer Kohlendioxid-Initiative in diesem Jahr sieht Vogelgsang einen Schwerpunkt auf dem Flugfeld. Da erwartet er „weitere Meilensteine“ wie die Eröffnung des Spiel- und Wissenschaftszentrums, die direkte Fußgängerverbindung und den Baubeginn des Langen Sees, „des ersten gemeinsamen Badesees mit Sindelfingen“. Was ihm amüsierte Lacher einbrachte. Das „pragmatische und konstruktive Miteinander in der Flugfeld-Entwicklung“ diente ihm aber auch zur Relativierung der Aufgeregtheiten um die interkommunale Zusammenarbeit. „Es tut der Sacharbeit vermutlich gut, wenn sie nicht immer wieder mit politischen Forderungen oder Imagevorstellungen belastet wird“, mahnte er gegenüber den Gemeinderäten. Er und sein Kollege Bernd Vöhringer seien willens, „das Unsere zu tun, um bei den noch offenen Themen zu Lösungen zu kommen, die der Sache dienen, ohne damit weitergehende Ansprüche

Das Scheitern hat Tradition

Auf den OB ist halt Verlass. „Wie Sie das gewohnt sind, starte ich mit einem Zitat“, stimmte er die Zuhörerinnen und Zuhörer auf seine Neujahrsansprache ein. Um dann mit Schillers Glocke schnurstracks den Weg zum Feuerwehrjubiläum zu finden. Die Beschreibung einer Feuersbrunst war ihm Folie für den Anfang der Freiwilligen Feuerwehren. Die Geschichte dieser freiwilligen Brandschützer hält aber auch das Beispiel des frühen Scheiterns der interkommunalen Zusammenarbeit parat. Zwar zwang man im Jahr 1858 von Oberamtsseite die beiden Städte, eine gemeinsame Wehr zu installieren. Doch mit dem Tod des ersten Kommandanten Schrenk war’s vorbei mit der Gemeinsamkeit – da gab sogar das Oberamt klein bei. Klein beigeben musste fast auch Hausherr Thomas Frech. Der OB hatte versäumt, auf die kurze Jubiläums-Übersicht des Stadtbrandmeisters hinzuweisen. Da nach der OB-Ansprache aber schon die Sternsinger (Foto) Mühe hatten, bis zu den letzten Reihen mit ihrem Gesang durchzukommen, übertönte das Gesprächsgebrumm hernach den Kommandanten fast vollständig. Die Termine und Events werden wir ja noch rechtzeitig nachreichen. Gleich doppelt Gutes tun konnten also die Besucher in der Feuerwache gestern. Geht der Reinerlös von Speis’ und Trank doch an die Gustav- Binder-Stiftung für verletzte oder getötete Feuerwehrleute. Und die Sternsinger helfen mit dem von ihnen gesammelten Geld Indianerkindern. So viel gutes Gewissen gab’s selten. Geschenke gibt’s nicht nur an Weihnachten. Zum Jahresauftakt verlockte der Dagersheimer Hans-Georg Müller das Stadtoberhaupt zum Lesen. In seinem Leben. Überreichte ihm seinen autobiographischen Erinnerungsband an die untergegangene DDR. Vielleicht gereicht das Werk ja zum Steinbruch für die nächste Neujahrsansprache. Gut gebrauchen kann Alexander Vogelgsang sicher auch die Dokumentation zur Städtepartnerschaft mit Sömmerda, die Müller ebenfalls übergab. Um zu verraten, dass er ja seine Heimatstadt Suhl favorisiert hatte. Doch die hatten schon anderweitig einen Brautstrauß in Sicht.

Mit freundlicher Genehmigung der Kreiszeitung Böblinger Bote http://www.bb-live.de/

VON OTTO KÜHNLE

 


 


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